Die Stadtpfarrkirche Mariä Heimsuchung besteht baugeschichtlich aus zwei Teilen: Dem Glockenturm, einst Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung, und dem Kirchenschiff, das nach dem Abriß des Vorgängergebäudes 1824, in den Jahren bis 1833 neugebaut wurde.
Bereits im 13. Jhdt. sind Meersburger Pfründe und Kirchengebäude bezeugt. In diese Zeit reicht auch die Entstehung des unteren Turmgeschosses zurück.
Früher war der Friedhof um die Kirche gelegen, daran erinnern noch einige in die Wand des Parkplatzes eingelassene Grabsteine.
In den Jahren 2001 bis 2003 erfolgte eine grundlegende Innenrenovation mit teilweisen Umgestaltungen. Eine alte Marienretabel umrahmend (15. Jahrhundert) wurden Hochaltar, Zelebrationsaltar, Ambo und die Sedilien als Einheit neu geschaffen. Auch wurde das gleichfalls neugeschaffene Taufbecken in die Kirchenmitte verlegt.
Der Kirchenraum ist im klassizistischen „Weinbrennerstil“ erbaut. Licht und weit – aber im Unterschied zu einer barocken Ausstattung (wie z.B. Birnau oder Baitenhausen), eher schlicht in seiner Ausstattung. Stellt er einen großen, weiten Gottesdienstraum dar. Die Deckengestaltung stammt aus dem Jahr 1939-40 (wie aus den römischen Zahlen über dem Chorbogen ersichtlich). Das Deckenbild, das die Himmelfahrt Mariens darstellt, ist ein Werk des Malers F. Schilling, München.
Der Hochaltar ist im Mittelteil ein spätgotischer Schrein aus dem 15. Jahrhundert aus der Nähe von Weimar. Über Umwege kam er bei der Innenrenovation 2002 an diese Stelle. Es stellt in der Mitte die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind dar. Umgeben von verschiedenen Heiligen. Das Kreuz darüber mit seinem barocken Korpus lässt durch den blauen Grund österliche Hoffnung anklingen. Über dem Schrein moderne Andeutungen von Sprengwerken. Auf den angedeuteten Außenflügeln sind der Heilige Bischof Konrad, und der heilige Pelagius dargestellt. Beides Patrone des früheren Bistums Konstanz. Meersburg war ja bis zur Säkularisation Residenz der Konstanzer Bischöfe. Reliquiare beider Heiligen hängen in barocker Fassung über den beiden seitlichen Türen des Chorraumes.
Die Seitenaltäre sind eine Schöpfung der Überlinger Kunstwerkstätte Mezger im neugotischen Stil von 1899. Der linke Seitenaltar stellt die Szene des Kirchenpatroziniums „Mariä Heimsuchung“ dar, die Begegnung der mit Jesus schwangeren Maria mit ihrer Verwandten Elisabeth, die ebenfalls in Erwartung ihres Sohnes Johannes ist. Rechts davon Zacharias der Mann der Elisabeth. Sehr speziell die beiden Engel neben der Gottesmutter. Auf den Flügeln sind die beiden Heiligen Aloisius von Gonzaga und Agnes gemalt. Der rechte Seitenaltar ist dem heiligen Sebastian gewidmet, der auch in der Mitte dargestellt ist. Neben ihm der Heilige Gallus und Bonifatius, der Hl. Benedikt, der Hl. Franziskus, der Hl. Otmar und der Hl. Fridolin.
Einige weitere Kunstwerke in der Kirche lohnen eine Entdeckungsreise:
An der Nordwand der Kirche ein Gemälde der „Flucht nach Ägypten“ des Konstanzer Malers Christoph Storer (1611-1671). Über den Türen der seiteneingänge zwei barocke Büsten der Heiligen Petrus und Paulus(1749 von D.H. Herberger) Im hinterern Bereich ein Kreuzweg des Konstanze Malers Hans Breinlinger (gest. 1963) aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Unter der Orgelempore die Figur der schmerzhaften Muttergottes mit dem toten Sohn in den Armen (1920, Kunstwerkstätte Mezger, Überlingen). Über dem westlichen Ausgang zwei barocke Reliquiare. Neben dem südlichen Seiteneingang eine Erinnerungstafel an die früher in der „alten“ Meersburger Kirche beigesetzten Fürstbischöfe. Daneben das Balbach Epitaph zur Erinnerung an den 1754 verstorbenen Freiherrn Balbach von Castell. Ein spannendes Werk des Künstlers Dominikus Hermengild Herberger aus Immenstaad.
Quellen: Michler, Jürgen: Schnell Kunstführer Nr. 1709; Kirchen und Kapellen Meersburg am Bodensee, Verlag Schnell und Steiner, München, 1. Aufl. 1988 Archiv des Kath. Pfarramtes Meersburg.
